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Katzen können mehrere Väter haben: Wie ist das möglich? Über die einzigartige Superfekundation

    Katzen können mehrere Väter haben, was als Superfekundation bezeichnet wird. In der Welt der Katzen gibt es viele biologische Besonderheiten, die uns Menschen erstaunen lassen. Eine der kuriosesten ist zweifellos die Superfekundation. Vielleicht haben Sie schon einmal einen Wurf gesehen, in dem die Kätzchen so unterschiedlich aussahen, dass man kaum glauben konnte, dass sie Geschwister sind: Ein rotes Kätzchen, ein tiefschwarzes, ein getigertes und eines mit reinweißem Fell. In vielen dieser Fälle ist die Erklärung simpel, aber faszinierend: Die Kätzchen haben tatsächlich unterschiedliche Väter.

    Was genau ist Superfekundation?

    Der Begriff stammt aus dem Lateinischen (super = über, zusätzlich; fecundatio = Befruchtung) und beschreibt die Befruchtung von zwei oder mehr Eizellen innerhalb desselben Zyklus durch Spermien von verschiedenen männlichen Tieren. Das Ergebnis ist ein Wurf aus Halbschwistern, die zwar gemeinsam im Mutterleib heranwachsen und zur selben Zeit geboren werden, genetisch aber nur zu 50 % (mütterlicherseits) identisch sind.

    Bei Katzen ist dieses Phänomen besonders häufig zu beobachten, was an ihrer speziellen Fortpflanzungsbiologie liegt.

    Die biologischen Voraussetzungen: Warum Katzen dafür „gemacht“ sind

    Um zu verstehen, wie Superfekundation möglich ist, muss man sich zwei Besonderheiten der Kätzin ansehen:

    Die provozierte Ovulation (Induzierter Eisprung)

    Im Gegensatz zum Menschen findet der Eisprung bei der Kätzin nicht zyklisch nach einem festen Zeitplan statt. Stattdessen wird er durch den Deckakt selbst ausgelöst. Die mechanische Reizung während der Paarung sendet ein Signal an das Gehirn der Katze, woraufhin innerhalb von 24 bis 48 Stunden mehrere Eizellen freigesetzt werden. Da eine rollige Katze oft mehrfach und über mehrere Tage hinweg gedeckt wird, ist das Zeitfenster für Befruchtungen durch verschiedene Partner weit offen.

    Die Überlebensdauer der Spermien

    Spermien können im Fortpflanzungstrakt der Kätzin mehrere Tage überleben. Wenn sich eine Katze am ersten Tag ihrer Rolligkeit mit Kater A paart und am zweiten Tag mit Kater B, befinden sich Spermien von beiden im Eileiter. Sobald die Eizellen freigesetzt werden, beginnt ein regelrechtes Wettrennen, bei dem Eizelle 1 von Kater A und Eizelle 2 von Kater B befruchtet werden kann.

    Wie erkennt man Superfekundation in der Praxis?

    Optisch ist die Superfekundation am einfachsten bei Katzenwürfen von Freigängern oder Streunern zu erkennen. Wenn eine dreifarbige Glückskatze Nachkommen hat, von denen einige die typischen Merkmale eines massiven, grauen Nachbarkaters zeigen, während andere eher wie der schlanke, rote Kater aus der Parallelstraße aussehen, ist der Verdacht meist begründet.

    Wissenschaftlich nachweisen lässt sich dies jedoch nur durch einen DNA-Test. In der professionellen Rassekatzenzucht wird dies relevant, wenn eine Zuchtkätzin versehentlich Kontakt zu zwei verschiedenen Katern hatte. In solchen Fällen müssen alle Kitten getestet werden, um die korrekte Abstammung für die Stammbäume festzustellen.

    Abgrenzung: Superfekundation vs. Superfetation

    Oft wird die Superfekundation mit der deutlich selteneren Superfetation (Überfruchtung) verwechselt.

    • Bei der Superfekundation stammen alle Kitten aus demselben Eisprung-Zyklus.
    • Bei der Superfetation wird eine Katze, die bereits trächtig ist, erneut rollig und befruchtet. Dies führt dazu, dass sich im Uterus Embryonen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden. Dies ist ein biologisches Extremrisiko, da bei der Geburt der ersten Kitten die jüngeren oft als Frühgeburten verloren gehen.

    Die evolutionären Vorteile: Warum macht die Natur das?

    Man könnte sich fragen, warum die Evolution ein solches „Chaos“ zulässt. Tatsächlich bietet die Superfekundation den Katzen einen Überlebensvorteil:

    1. Genetische Vielfalt: Durch die Beteiligung mehrerer Väter erhöht sich die genetische Variabilität innerhalb eines Wurfs massiv. Wenn sich Umweltbedingungen ändern oder Krankheiten ausbrechen, ist die Chance höher, dass zumindest einige Kitten der Gruppe überleben, da sie unterschiedliche genetische Widerstandskräfte besitzen.
    2. Sicherung der Befruchtung: Die Strategie, sich mit so vielen Katern wie möglich zu paaren, stellt sicher, dass am Ende der Rolligkeit auch wirklich alle verfügbaren Eizellen befruchtet sind – selbst wenn ein Kater unfruchtbar sein sollte.
    3. Vermeidung von Infantizid: In der Wildnis neigen Kater manchmal dazu, den Nachwuchs von Rivalen zu töten. Wenn ein Kater sich jedoch mit der Kätzin gepaart hat, besteht eine statistische Chance, dass die Kitten seine eigenen sind, was Aggressionen innerhalb der Population mindern kann.

    Fazit für Katzenbesitzer

    Die Superfekundation ist ein beeindruckendes Zeugnis der Effizienz der kätzischen Fortpflanzung. Für Halter von unkastrierten Freigängern bedeutet dies: Ein einziger Ausflug während der Rolligkeit kann ausreichen, um eine bunte Schar an Nachkommen von verschiedensten „Vätern aus der Nachbarschaft“ nach Hause zu bringen.

    Dies unterstreicht einmal mehr die Wichtigkeit der Kastration, um unkontrollierte Vermehrung zu verhindern – denn die Natur hat die Katze darauf programmiert, jede Chance auf Nachwuchs mit maximaler biologischer Raffinesse zu nutzen.


    FAQ: Häufige Fragen

    Können Kitten in einem Wurf unterschiedlich alt sein?

    Nein. Auch wenn sie verschiedene Väter haben, entwickeln sie sich im selben Zeitraum.

    Ist das für die Mutter gefährlich?

    Nein, für die Kätzin macht es keinen Unterschied, ob die Spermien von einem oder mehreren Katern stammen.

    Wie verhindere ich das?

    Nur durch eine konsequente Kastration oder die Haltung im Haus während der Rolligkeit lässt sich die Verpaarung mit mehreren (oder überhaupt welchen) Katern verhindern.

    Foto von Kym Ellis auf Unsplash


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