In der Zoologie gelingen Entdeckungen dieser Größenordnung nur extrem selten: Wissenschaftler haben eine neue Katzenart erstbeschrieben – die erste wissenschaftliche Erstbeschreibung einer lebenden Raubkatze seit mehr als 100 Jahren! Die Spezies trägt den wissenschaftlichen Namen Leopardus tilcayo (im deutschen Sprachraum oft als Tilcayo oder Tilcayo-Tigerkatze bezeichnet).
(Hinweis: Schreibweisen mit „x“ wie „tilxayo“ beruhen auf einer phonetischen Abwandlung; die offizielle biologische Nomenklatur lautet Leopardus tilcayo).
Eine Sensation durch Zufall und DNA-Analyse
Die Entdeckung der neuen Spezies liest sich wie ein Krimi:
Ein kleines, geflecktes Kätzchen wurde vor einigen Jahren in Bolivien gerettet. Aufgrund seiner geringen Größe hielten Anwohner das Tier zunächst für eine gewöhnliche Hauskatze. Es kam schließlich in das Wildtierzentrum La Senda Verde in der bolivianischen Yungas-Region.
Dort fiel der Biologin Paola Nogales-Ascarrunz und einem internationalen Forschungsteam auf, dass das Fellmuster und der Körperbau nicht zu den bisher bekannten südamerikanischen Tigerkatzen passten. Umfassende Genanalysen brachten die Gewissheit: Leopardus tilcayo bildet einen ganz eigenen, bisher unbeschriebenen Ast im Stammbaum der Katzen (Felidae). Genetische Daten zeigen, dass sich die Art bereits vor etwa 1,4 Millionen Jahren von ihren nächsten Verwandten abgespaltet hat.
Erscheinungsbild & Merkmale
Leopardus tilcayo gehört zur Gattung der Pardelkatzen (Leopardus). Sie ist deutlich kleiner als eine herkömmliche Hauskatze, wirkt aber durch ihre Musterung wie ein Miniatur-Leopard:
- Körpergröße: Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt etwa 42,5 bis 50,5 cm bei einer Schwanzlänge von 25 bis 26,5 cm.
- Gewicht: Ausgewachsene Tiere wiegen nur rund 1,4 bis 2,3 kg.
- Fellzeichnung: Das Fell besitzt eine hellbraune bis beige Grundfärbung mit einem dunkleren Streifen entlang des Rückens. Charakteristisch sind die relativ großen, unregelmäßig geformten, dunkelbraunen bis schwarzen Rosetten (Flecken).
- Unterschiede zu Verwandten: Im Vergleich zur Anden-Ozelotkatze (L. pardinoides) oder der Nördlichen Tigerkatze (L. tigrinus) hat der Tilcayo größere, weiter geöffnete Rosetten und einen weniger buschigen Schwanz ohne durchgehende Ringe.
Lebensraum und Lebensweise
- Verbreitung: Der Lebensraum von Leopardus tilcayo liegt in den feuchten Nebelwäldern der bolivianischen Yungas – einer Übergangsregion zwischen dem steilen Hochland der Anden und den Tiefland-Regenwäldern des Amazonasgebietes.
- Verhalten: Da die Art erst vor Kurzem wissenschaftlich erfasst wurde, stehen die Forscher noch am Anfang. Auswertung von Kamerafallen und Kotproben zeigen jedoch, dass der Tilcayo vorwiegend nachtaktiv ist und sich hauptsächlich von Kleinsäugern (wie Nagetieren) ernährt.
- Name: Während die Wissenschaft die Art erst jetzt beschrieb, war die Katze den indigenen Einheimischen der Region schon lange bekannt. Sie gaben ihr den traditionellen Namen „Tilcayo“.
Schutzstatus und Ausblick
Da Leopardus tilcayo in einem geografisch stark eingeschränkten Areal lebt, das durch Abholzung und Landwirtschaft zunehmend bedroht ist, schätzen Experten die Art als gefährdet ein. Die späte Entdeckung zeigt eindrucksvoll, wie viele Geheimnisse selbst bei bekannten Tiergruppen wie den Raubkatzen noch im Verborgenen liegen – und wie wichtig der Schutz der südamerikanischen Bergnebelwälder ist.
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Bildquelle: By Paola Nogales Ascarrunz – Shared with me via email by the original author of the work., CC BY-SA 4.0, Link