HCM (Hypertrophe Kardiomyopathie) bei Katzen bleibt oft unentdeckt: Katzen sind Meister darin, Krankheiten zu verbergen – besonders bei Herzerkrankungen zeigen sie oft erst spät Symptome. Als häufigste Herzerkrankung bei Katzen kann HCM lebensbedrohlich sein, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt wird
In diesem Artikel erfahren Sie:
✔ Was HCM genau ist
✔ Welche Katzen besonders gefährdet sind
✔ Woran Sie erste Anzeichen erkennen
✔ Wie HCM diagnostiziert und behandelt wird
✔ Wie Sie Ihrer Katze ein möglichst langes Leben trotz HCM ermöglichen
Was ist HCM bei Katzen?
HCM ist eine verdickte Herzmuskulatur, die das Herz schwächt:
- Der Herzmuskel wird steifer und kann sich nicht mehr richtig mit Blut füllen.
- Das Herz pumpt weniger Blut in den Körper → Sauerstoffmangel in Organen.
- Im schlimmsten Fall führt HCM zu Herzversagen oder plötzlichem Tod.
➔ Achtung: Viele Katzen zeigen lange keine Symptome – deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig!
Betroffene Katzenrassen und Risikofaktoren für HCM
Genetisch veranlagte Rassen
Bestimmte Rassen haben ein erhöhtes HCM-Risiko:
- Maine Coon (häufigste Rasse mit genetischer Veranlagung)
- Ragdoll
- Britisch Kurzhaar
- Norwegische Waldkatze
- Siam & Bengal (seltener, aber möglich)
Alter und Geschlecht
- Meist ab 4–6 Jahren (kann aber auch jüngere Katzen treffen).
- Kater sind häufiger betroffen als Katzen.
Sekundäre HCM durch andere Erkrankungen
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
- Bluthochdruck
- Chronische Nierenerkrankungen
Symptome: Woran erkenne ich HCM bei Katzen?
Frühe Anzeichen sind oft unspezifisch – deshalb sollten Sie auf folgende Veränderungen achten:
Leichte bis mittlere Symptome
✔ Atemnot (Hecheln, schnelle Atmung)
✔ Müdigkeit & Schwäche (spielt weniger, schläft mehr)
✔ Appetitlosigkeit & Gewichtsverlust
✔ Blasse oder bläuliche Schleimhäute (Zahnfleisch, Zunge)
Schwere Symptome (Notfall!)
❗ Plötzliche Lähmung der Hinterbeine (durch Blutgerinnsel)
❗ Offene Maulatmung (wie Hunde hecheln)
❗ Ohnmacht oder Kollaps
❗ Flüssigkeit in der Lunge (Lungenödem) → Atemnot mit hörbaren Rasselgeräuschen
➔ Sofort zum Tierarzt! Bei akuten Symptomen zählt jede Minute!
Diagnose: Wie wird HCM festgestellt?
Ultraschall (Echokardiographie)
- Die sicherste Methode zur Diagnose.
- Zeigt die Dicke der Herzwand und die Pumpleistung.
Röntgen
- Kann eine vergrößertes Herz oder Flüssigkeit in der Lunge sichtbar machen.
Blutuntersuchung
- NT-proBNP-Test (kann auf Herzstress hinweisen).
- Schilddrüsenwerte (um sekundäre HCM auszuschließen).
EKG (Elektrokardiogramm)
- Misst die Herzströme und erkennt Rhythmusstörungen.
Behandlung: Kann man HCM heilen?
HCM ist nicht heilbar, aber mit Medikamenten gut behandelbar. Ziel ist:
✔ Herzarbeit entlasten
✔ Blutgerinnsel vorbeugen
✔ Flüssigkeitsansammlungen reduzieren
Mögliche Medikamente
- Beta-Blocker (verlangsamen den Herzschlag)
- ACE-Hemmer (erleichtern die Blutpumpe)
- Diuretika (entwässern bei Lungenödem)
- Blutverdünner (verhindern Thrombosen)
Lebenserwartung und Prognose
- Früh erkannt: Viele Katzen leben noch Jahre gut mit HCM.
- Spät erkannt oder mit Komplikationen: Prognose schlechter.
Vorbeugung: Kann man HCM verhindern?
- Genetische Tests (bei Rassekatzen vor dem Züchten).
- Regelmäßige Herz-Ultraschalls (besonders bei Risikorassen).
- Gesunde Ernährung & Gewichtskontrolle (Übergewicht belastet das Herz).
- Stress vermeiden (Herzerkrankungen können durch Stress verschlimmert werden).
Fazit: Frühdiagnose ist für HCM bei Katzen wichtig
HCM ist eine tückische Krankheit, weil Katzen sie so lange verstecken können. Regelmäßige Tierarzt-Checks (besonders ab dem 4. Lebensjahr) sind der beste Schutz.
➔ Ihr Tierarzt kann mit einem Herz-Ultraschall frühzeitig feststellen, ob Ihre Katze betroffen ist – und rechtzeitig mit der Behandlung beginnen.
Mit der richtigen Therapie und guter Pflege können viele Katzen trotz HCM noch ein erfülltes Leben führen.
FAQ: Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) bei Katzen
Was ist die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)?
Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist die häufigste Herzmuskelerkrankung bei Katzen. Dabei verdickt sich vor allem der Muskulaturbereich der linken Herzkammer. Das Volumen, das das Herz aufnehmen und pumpen kann, wird dadurch verringert, und es entsteht ein Rückstau in die linken Herzvorhöfe und den Lungenkreislauf.
Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?
Rassezugehörigkeit: Bestimmte Rassen weisen eine höhere Prävalenz auf. Auch Hauskatzen sind betroffen.
Genetisch / Vererbung: Bei manchen Rassen wie Maine Coon, Ragdoll, Perser oder Britisch Kurzhaar sind bestimmte Mutationen (z. B. im MYBPC3-Gen) bekannt, die HCM autosomal dominant vererben.
Sekundäre Formen: HCM kann durch andere Erkrankungen begünstigt werden, z. B. Bluthochdruck, chronische Nierenkrankheiten oder Schilddrüsenüberfunktion. Diese beeinflussen das Herz und können eine sekundäre Herzmuskelverdickung auslösen.
Welche Symptome treten bei HCM auf?
HCM bei Katzen zeigt sich oft schleichend – viele Tiere sind über längere Zeit symptomfrei. Typische Anzeichen sind:
Thromboembolien (z. B. Lähmungen einer oder mehrerer Gliedmaßen, besonders Hinterbeine)
Abnahme der Leistungsfähigkeit, schnellere Ermüdbarkeit
Beschleunigte Atmung oder Atmung mit offenem Maul (Maulatmung), vor allem bei Belastung
Atemnot aufgrund von Lungenödem oder Flüssigkeit im Brustkorb (Pleuralerguss)
Herzgeräusche oder Rhythmusstörungen, Galopprhythmus
Wie wird HCM diagnostiziert?
Bluttests / NT-proBNP: Manche Katzenärzte nutzen biomarker wie NT-proBNP zur Früherkennung oder Überwachung.
Auskultation: Herz abhören – ein Herzgeräusch kann Hinweis sein, aber ist nicht immer vorhanden.
Herzultraschall (Echokardiografie): Die verlässlichste Methode, um Herzmuskelverdickung, Funktion des Herzens und eventuelle Vorhofvergrößerungen zu erkennen.
Röntgenaufnahmen des Brustkorbs: Zur Beurteilung von Herzgröße und Lungenveränderungen.
EKG und Blutdruckmessung: Zeigt Rhythmusstörungen und hilft, sekundäre Ursachen wie Bluthochdruck auszuschließen oder zu erkennen.
Wie wird HCM behandelt?
Maßnahmen zur Unterstützung: angepasste Ernährung, Vermeidung von Stress, moderate Bewegung, gute Pflege.
Eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Die Behandlung zielt darauf ab, Symptome zu lindern und Komplikationen zu minimieren.
Medikamente wie Betablocker, Kalziumkanalblocker, ACE-Hemmer und Diuretika kommen zum Einsatz, je nach Stadium und Symptomen.
Bei Vorhofflimmern oder Risiko für Blutgerinnsel ggf. Antikoagulanzien (Blutverdünner).
Wie sieht die Prognose aus?
Komplikationen wie Thromboembolien oder Lungenödeme sind potenziell lebensbedrohlich
Der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich: Einige Katzen bleiben jahrelang stabil ohne Symptome, andere entwickeln relativ schnell klinisch bedeutsame Probleme.
Früherkennung verbessert die Chancen, Symptome früh zu behandeln und die Lebensqualität über längere Zeit zu erhalten.
Können Katzen mit HCM eine normale Lebensqualität haben?
Ja – viele Katzen mit HCM können mit entsprechender Behandlung, regelmäßiger Kontrolle und angepasster Lebensweise eine gute Lebensqualität genießen:
Auf Warnzeichen wie Atemnot oder veränderte Fitness achten.
Wichtig sind regelmäßige Tierarztbesuche und Herzkontrollen.
Medikamente konsequent verabreichen.
Stress reduzieren, extreme Belastungen vermeiden.
Gibt es Möglichkeiten der Vorbeugung?
Gesunde Lebensweise und Kontrolle von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Nierenprobleme oder Schilddrüsenüberfunktion.
Bei Zuchtkatzen: Gesundheits- und Herzultraschall-Screening sowie Gentests, insbesondere in Rassen mit bekannter Prädisposition.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen auch bei Hauskatzen, um Veränderungen früh zu erkennen.
Foto von Tima Miroshnichenko